Einkaufsbummel im Internet

 

Regionale Hersteller und Händler setzen auf Onlinehandel

Unkompliziert shoppen, auch an den Wochenenden oder abends vom Sofa aus – für viele Konsumenten ist das selbstverständlich. Der Onlinehandel hat es möglich gemacht, dass Verbraucher nicht mehr an Öffnungszeiten und die Auswahl der Anbieter vor Ort gebunden sind. Vom Rinderfilet bis zum Fahrradhelm kann alles per Mausklick in den virtuellen Warenkorb gelegt und oft sogar schon am nächsten Tag an der Haustür in Empfang genommen werden. 
Damit lokale und regionale Händler bei diesen grenzenlosen Online-Möglichkeiten nicht auf der Strecke bleiben und gleichzeitig ihre Kompetenzen auch über die Stamm- und Laufkundschaft hinaus bekanntmachen können, müssen sie auf diese Entwicklung reagieren. In Spremberg (Spree-Neiße) und Umgebung soll noch im August der lokale Onlinehandel „Lokaso“ sein Debüt in der Lausitz geben. Die Finsterwalder Firma „Soreegio“ ist als Lieferdienst für Produkte aus dem Landkreis Elbe-Elster im März dieses Jahres gestartet. Bereits seit mehr als zehn Jahren gibt es „Spreewald-Präsente“. 

Internetkaufhaus für die Region um Spremberg 

Für Jens-Uwe Winkler, Vorstandsmitglied des Spremberger Citywerbering e. V. und Ansprechpartner der neu gegründeten Betreibergesellschaft, ist Lokaso die optimale Plattform, um Qualitätsprodukte und Serviceangebote aus seiner Heimatregion zu bündeln und anzubieten. Gut 20 Händler, Hersteller und Unternehmen konnten er und seine Mitstreiter von der ASG Spremberg GmbH, der Stadt, dem Citywerbering und der IHK Cottbus bereits für die gemeinsame Online-Offensive gewinnen. „Wir mussten darauf reagieren, dass sich die Bedürfnisse der Menschen verändert haben und nicht mehr nur zu festen Öffnungszeiten in den Geschäften eingekauft wird. Unsere Kundschaft an Online-Riesen zu verlieren, obwohl unsere Händler über ein reiches Angebot verfügen, das können wir uns nicht erlauben“, so Jens-Uwe Winkler. Das regionale Internetkaufhaus soll auf die breite Produktpalette der Einzelhändler vor Ort aufmerksam machen und dabei den Service der schnellen Lieferung im Umkreis von 25 km rund um Spremberg und des problemlosen Rückgabemanagements bieten.
Marcel Petermann, Betriebsberater bei der IHK Cottbus, ist von dem Konzept überzeugt. „Viele Händler verfügen häufig über ein ansprechendes und konkurrenzfähiges Angebot, sind aber zu wenig bekannt. Die Kunden erwarten, dass jedes Unternehmen auch online auffindbar ist – oft fehlen aber eine koordinierte Präsentation und damit die Sichtbarkeit im Netz. Ein gemeinsames Web-Portal kann Berührungsängste der lokalen Händler abbauen und zur Stärkung des Handels in den Innenstädten beitragen. Anstatt den Onlinehandel zu „verteufeln“, sollten seine Vorteile mit den Vorzügen des stationären Handels verbunden werden.“ 
Viele Menschen würden ihr Geld gern in der Heimatregion ausgeben, doch nicht immer ist das möglich. Aus Zeitgründen erscheint es leichter, den gewünschten Artikel in Sekundenschnelle im Internet zu bestellen, als sich auf eine Tour durch die Geschäfte der Stadt zu machen, ohne die Garantie, fündig zu werden. Hier setzt Lokaso an. Sucht der Kunde z. B. eine Tasche, Pralinen oder ein Blumenpräsent, kann er das bei www.spremberg.lokaso.de tun. Die Produkte der örtlichen Händler werden angezeigt, können direkt abgeholt oder problemlos geliefert werden. Wie das Konzept funktioniert, soll auch beim Spremberger Heimatfest erklärt werden. „Vom 10. bis 12. August sind wir mit einem Infostand vor Ort“, sagt Ulf Paulusch von der ASG Spremberg GmbH, die als Partner der ersten Stunde die Betreibergesellschaft beratend unterstützt. „Der Einzelhandel in Spremberg und dem Umland bekommt mit Lokaso viele neue Möglichkeiten, die Kunden wieder fest an unsere Region zu binden und die Wertschöpfung zu steigern.“ 

Virtueller Marktplatz mit vollem Angebot

Für die Umsetzung des Internetkaufhauses haben sich die Spremberger einen Profi an die Seite geholt – Patrick Schulte aus Siegen. „Regionale Webkaufhäuser können on- und offline Kundenwünsche erfüllen und halten dabei den Umsatz in der Kommune“, sagt der Geschäftsführer der Lokaso GmbH. Mit seinem Team hat er eine eigene IT-Plattform geschaffen, die an die jeweiligen Modalitäten vor Ort angepasst wird. „Wir setzen auf die regionalen Netzwerke, die starke Gemeinschaft, die gebündelt viel mehr erreichen kann, als wenn sich jedes Geschäft einzeln den Herausforderungen der Digitalisierung stellen müsste und das von der Internetpräsenz bis zum Vertrieb.“ 
Nach Siegen und Arnsberg wird das Lokaso-Konzept nun also in Spremberg angewandt. „Jede Region erhält ein gemeinsam organisiertes digitales Warenhaus, in dem die Einzelhändler ein Geschäft beziehen können: mit eigener Einrichtung, einem individuellen Sortiment und einer Gemeinschaftskasse“, so Patrick Schulte. „Was uns in der Praxis beeindruckt, ist der starke Gemeinschaftsgedanke, der sich auch in Spremberg in einem leidenschaftlichen Engagement und einem konstruktiven Diskurs äußert.“ Modegeschäft, Reformhaus, Blumenladen, Confiserie, Weinhandel, Hotel – die Liste der sich beteiligenden Unternehmen wird stetig länger. „Wir freuen uns über weitere Partner“, bekräftigt Jens-Uwe Winkler. „Umso größer wird der Service für unsere Kunden und die Chance, sie als Konsumenten zu halten.“

Obstkörbe und Käsepakete in Elbe-Elster

Den Vertrieb frischer, nachhaltig erzeugter und regionaler Produkte aus und für Elbe-Elster bietet seit diesem Frühjahr das Unternehmen „soreegio“ mit Sitz in Finsterwalde. Der Lieferdienst von Andreas Richter und Ulrich Wackernagel bringt zwei Mal wöchentlich die Waren im Umkreis von 40 Kilometern vonder Sängerstadt direkt an die Haustüren der Kunden. 
„Unter www.soreegio.de setzen wir auf Qualitätswaren aus Elbe-Elster, der Lausitz, Brandenburg und dem Elbtal. Bei Dingen, die nicht bei uns produziert werden oder hier wachsen können, Apfelsinen beispielsweise, achten wir darauf, dass sie aus nachhaltigem, biologischem Anbau stammen und fair gehandelt werden. Ansonsten geht es uns aber vor allem darum, die Hersteller vor Ort zu stärken. Wir verstehen uns als transparentes Bindeglied zwischen den kleinen, traditionell handwerklichen Betrieben und unseren ernährungsbewussten Kunden.“ Wir – das sind neben Ulrich Wackernagel und Andreas Richter auch dessen Mama Cornelia. Zusätzlich sucht der gelernte Koch und Bachelor für Betriebswirtschaftslehre junge, motivierte Interessenten für eine Ausbildung als E-Commerce-Kaufmann/frau. Dieser neue Ausbildungsberuf ist auf die Branche des Online- und Versandhandels spezialisiert.
Zu den „soreegio“-Firmen zählen u. a. die Landfleischerei Schweine-Lehmann aus Birkwalde, die Heidemanufaktur Hohenleipisch, die Kaffeerösterei Loos Elsterwerda, der Bäcker Bubner aus Doberlug-Kirchhain, die Schlossbrauerei Fürstlich Drehna mit ihren BIO-Limonaden und Bieren, die Landmolkerei Lorenz in Lebusa und viele mehr. „Eier, Büffelfleisch, Ziegenkäse, Räucherfisch, Öle, Gemüse, Backwaren: Mittlerweile haben wir mehr als 300 Produkte in unserem Sortiment. Tendenz steigend“, so Andreas Richter. 
Die Gemeinsamkeit bei den Kunden – Privathaushalte, Gaststätten, Hotels und Pensionen – besteht darin, dass sie wissen wollen, wo ihr Essen herkommt und was drin ist und die dabei Wert auf Produkte heimischer Landwirte, Manufakturen und Veredler legen. „Wie ersparen ihnen zeitaufwendige Einzelfahrten zu den jeweiligen Produzenten und bieten gleichzeitig eine große Auswahl.“ Geliefert wird in Papiertüten oder wiederverwendbaren Boxen, die die Kunden aus der breiten Produktpalette selbst individuell zusammenstellen können. Daneben gibt es Mottokisten – sortiert nach verschiedenen Themen wie Käse, Grillen oder Fitness. „Unsere Obstboxen kommen sehr gut an. Einige Firmenchefs versorgen so mit unserer Unterstützung ihre Mitarbeiter mit frischen Vitaminen.“ 
Um das Unternehmen und die Produktpalette in Finsterwalde und Elbe-Elster weiter bekannt zu machen, ist Andreas Richter mit seinen „soreegio“-Foodständen auf Märkten und Festen unterwegs. „Weil Kunden uns schon häufiger gesagt haben, dass sie gern direkt in einem Geschäft aus der Produktpalette auswählen würden, wollen wir in unserem Lager demnächst ein kleines Lagerlädchen mit Frischetheke eröffnen. Es kann ja nicht schaden, auch offline präsent zu sein.“

Vom Spreewald aus in alle Richtungen

Die Firma von Gregor Ambros aus Cottbus bietet ihre Waren ausschließlich im Internet an – und das schon seit mehr als elf Jahren. „Unser Shop www.spreewald-praesente.de ist Anfang 2007 online gegangen. Damals gab es keinen Onlinehändler, der diese Produkte in seinem Sortiment hatte“, sagt der Geschäftsführer der Gourmeo24 GmbH, zu der der Onlineshop gehört. Monatlich bestellen bis zu 3 000 Kunden die beliebten Spreewald-Erzeugnisse von der Senfgurke bis zum Leinöl. „Wir haben ein umfangreiches Angebot und eine große Auswahl. Aktuell sind gut 1 200 verschiedene Produkte aus dem Spreewald und der Lausitz bei uns gelistet. Unsere Kunden können sich auch individuelle Geschenkkörbe zusammenstellen. Für Lieferanten und Hersteller bieten wir die Möglichkeit, dass wir ihre Produkte online vertreiben, wenn sie dies nicht selbst machen wollen“, erklärt Gregor Ambros. 
Seine tägliche Arbeit besteht darin, neue Produkte zu entwickeln, neue Lieferanten zu suchen und mit den Kunden zu kommunizieren. Daneben müssen kleinere und größere Hürden gemeistert werden. „Die stetig wachsenden und sich wandelnden Anforderungen der Gesetzgeber bündeln Zeit und Kraft. Niemand kann sich leisten, da den Anschluss zu verpassen. Besonders aufwendig ist die umfangreiche Kennzeichnung der Produkte. Zudem hat sich der Wettbewerb im Onlinehandel in den letzten Jahren sehr verstärkt. Da muss man durch neue, individuellere Angebote und gute Konditionen überzeugen.“ Zusammen mit dem Onlineshop www.gourmeo24.com, über den Lebensmittel und Spezialitäten aus ganz Deutschland vertrieben werden, kommt das Unternehmen aktuell auf etwa 2 500 Produkte und 130 Lieferanten. „Gut 15 Prozent aller Bestellungen erhalten wir sogar aus dem europäischen Ausland. Wir versenden die Ware innerhalb von 24 Stunden. Die Logistikdienstleister liefern sie deutschlandweit in ein bis zwei Tagen direkt nach Hause oder an eine Wunschadresse, wenn z. B. ein Geburtstagskind überrascht werden soll.“ 
Interessant ist das Web-Warenhaus vor allem für diejenigen, die in ihrer Heimat die beliebten Spreewaldprodukte nicht zu kaufen bekommen. „Wer auf typische regionale Spezialitäten wie die originale Spreewaldgurke, den Cottbuser Butterkeks oder den Senftenberger Likör ,Scharfes Gelb‘ nicht verzichten oder andere auf den Lausitzer Geschmack bringen will, wird bei uns auf jeden Fall fündig.“
Die Zeiten stehen gut für Kunden, die auch online einkaufen oder Dienstleistungen buchen wollen. Immer mehr Unternehmen stellen sich darauf ein, dass Verbraucher eben nicht nur durch die Einkaufsstraßen bummeln, sondern auch im Internet auf Shoppingtour der regionalen Händler gehen wollen.
Autorin: Daniela Kühn
   
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